Vernissage Ausstellung Kaufhaus Zeeck

Wie erhalten wir das, was allen gehört?

Vom 19. Mai bis zum 21. Juni 2026 zeigt sich das VorOrt Projekt mit seinem Riso Studio Druckbar in einer Ausstellung im ehemaligen Kaufhaus Zeeck in Dessau. Das Kaufhaus wurde als Ausstellungsfläche im Ramen des Bauhaus Dessau 100 Jubiläums aktiviert (Algen | Schutt | CO2) und der Fachbereich Design der Hochschule Anhalt bespielt ebenfalls zwei Räume als Satellit “Renaissource”. Übergeordnet geht es um das Thema Nachhaltigkeit im Bau sowie nachhaltige Materialien und Praxis. Innerhalt dieses Kontextes gibt das VorOrt Projekt einen kleinen Einblick, wie wir diese Themen leben – vor allem unter dem Aspekt der Commons.

Commons (dt.: Gemeingüter)  sind Ressourcen, die gemeinsam geschaffen, gepflegt und genutzt werden. Der Ozean, Saatgut, Wikipedia, Fahrräder, Wissen, Räume – alles kann ein Commons sein! Sie beweisen, dass die Ausbeutung und Zerstörung der Welt und der Gesellschaft kein unvermeidliches menschliches Merkmal sind, sondern ganz im Gegenteil. Für eine gerechte und lebendige Gesellschaft kümmern sich Menschen auf der ganzen Welt um verschiedenste Commons und erhalten im Gegenzug diese Gemeinschaft, Ressourcen und Lebensqualität. Aus der Pflege der Commons entstehen neue Ideen: für Wiederverwendung, für Nachhaltigkeit, für ein anderes Leben. Die Commons sind nicht nur eine Utopie – sie werden bereits in unzähligen Projekten gelebt.

Da sie so kraftvoll sind, werden die Commons oft mit einer Art Reinheit dargestellt: völlig außerhalb des Marktes, nur durch Teilen und gegenseitige Fürsorge getragen. Aber wir stehen hier in einem ehemaligen Kaufhaus, also stellen wir die heikle Frage: Wie können die Commons innerhalb eines kapitalistischen Systems aufrechterhalten werden?

Wenn wir die Commons schaffen und verwalten, herrscht am Anfang Begeisterung, ein berauschendes Gefühl gemeinsamer Zielsetzung und Selbstermächtigung. Oft landen wir jedoch letztendlich in einer Burnout-Zone. Denn leider werden Commons unter den gegenwärtigen Bedingungen selten strukturell unterstützt. Sofern sie keinen Lebensunterhalt sichern, müssen die Menschen ihre Arbeitskraft anderweitig verkaufen – oder sich auf Privilegien verlassen –, um sich daran zu beteiligen. Die Beziehung zwischen Commons und Kapitalismus ist daher nicht extern, sondern verflochten. 

Die zweite Renaissource-Ausstellung im Glasraum des Kaufhauses Zeeck zeigt einen Dialog zwischen Vor/Ort, Druckbar und Hyperburgers: (1) einer ehemaligen Schule, die im Herzen von Dessau zu einer aktiv genutzten Gemeinschaftsressource umgewandelt wurde; (2) ihrer kreativsten Gemeinschaft, dem Risograph-Labor; (3) und einer Vision eines globalen Supermarkt-Commons. Reale und imaginäre Commons, Gemeinschaftsarbeit, Handel.

Als wir uns daran machten, diesen „Commons-Laden“ als unsere gemeinsame Basis zu schaffen, fragten wir uns, ob wir den üblichen Gegensatz von „Commons versus Kommerz“ überwinden und stattdessen mit diesem „ethischen Nicht-Monogamie“ innerhalb der wirtschaftlichen Spannung zwischen Commons und Kapitalismus spielen könnten. Denn grenzenloses Teilen kann zu Selbstausbeutung führen, während Märkte ohne Fürsorge Ungleichheit verstärken. Die Frage ist also nicht, ob Commons und Handel koexistieren können – sondern wie sie sich gegenseitig unterstützen können.

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